Ratgeber · Wärmepumpe

Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren: Wann sich das wirklich lohnt

Bis zu 70 Prozent Förderung für die Wärmepumpe, dazu günstiger Solarstrom vom eigenen Dach. Was die Kombination bringt – und wo die Rechnung nicht aufgeht.
Aktualisiert am 13. August 2026 · Lesezeit 9 Minuten · Smart PV Solution, Stuhr

Die Grundidee – und ihr größter Haken

Eine Wärmepumpe macht aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme. Kommt dieser Strom vom eigenen Dach, heizen Sie zu Erzeugungskosten von wenigen Cent. So weit die Theorie.

Der Haken ist die Jahreszeit. Ihre Wärmepumpe braucht am meisten Strom im Dezember und Januar – genau dann liefert die PV-Anlage in Norddeutschland am wenigsten. Realistisch deckt die PV-Anlage etwa 25 bis 35 Prozent des Jahresstrombedarfs der Wärmepumpe. Wer mit 80 Prozent rechnet, wird enttäuscht.

Das macht die Kombination nicht schlecht – es macht sie nur anders gut als oft versprochen.

Förderung 2026: bis zu 70 Prozent

Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Konditionen der KfW-Heizungsförderung:

  • Grundförderung: 30 Prozent
  • Klimageschwindigkeitsbonus: bis zu 16 Prozent beim Tausch einer alten fossilen Heizung
  • Einkommensbonus: bis zu 40 Prozent bei zu versteuerndem Haushaltseinkommen unter 40.000 Euro

Die Boni sind kombinierbar, gedeckelt auf 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Bei einem Haushaltseinkommen bis 30.000 Euro sind bis zu 80 Prozent möglich. Für die erste Wohneinheit im Altbau liegen die maximal förderfähigen Kosten bei 28.000 Euro, der maximale Zuschuss damit bei rund 22.400 Euro.

Wichtig für die Planung: Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab Februar 2027 schrittweise und entfällt im August 2028. Wer ohnehin tauschen will, verschenkt durch Warten bares Geld.

Die Rechnung an einem Beispiel

Einfamilienhaus, Baujahr 1995, 140 Quadratmeter, bisher Gasheizung:

  • Wärmebedarf: rund 16.000 kWh im Jahr
  • Strombedarf der Wärmepumpe bei Jahresarbeitszahl 3,5: rund 4.600 kWh
  • Davon aus eigener PV (10 kWp, 10 kWh Speicher): rund 1.400 kWh
  • Rest aus dem Netz über einen Wärmepumpentarif: rund 3.200 kWh

Der Solaranteil spart hier gut 400 Euro im Jahr gegenüber dem vollen Netzbezug. Der größere Effekt kommt aus dem Wechsel weg vom Gas und aus der Förderung.

Vier Voraussetzungen, die wirklich zählen

1. Niedrige Vorlauftemperatur

Unter 55 Grad Vorlauf arbeitet die Wärmepumpe effizient, darunter noch besser. Fußbodenheizung ist ideal, große Heizkörper funktionieren ebenfalls. Alte, klein dimensionierte Heizkörper sind das eigentliche Problem – nicht das Baujahr des Hauses.

2. Ein hydraulischer Abgleich

Ohne Abgleich läuft die Anlage dauerhaft mit zu hoher Vorlauftemperatur. Das kostet über die Lebensdauer mehr als der Abgleich selbst – und er ist ohnehin Fördervoraussetzung.

3. Ein Speicher mit Wärmepumpen-Logik

Sinnvoll ist, dass PV-Überschuss gezielt in die Wärmepumpe geht statt in den Batteriespeicher. Das braucht ein Energiemanagement, das beide Seiten kennt – kein Standard bei jedem Anbieter.

4. Ein separater Zähler oder Wärmepumpentarif

Wärmepumpentarife liegen deutlich unter dem Haushaltsstrompreis. Ob sich ein zweiter Zähler lohnt, hängt vom Verbrauch ab und sollte vor der Installation geklärt sein.

Wann die Kombination nicht sinnvoll ist

Ehrlich gesagt: Wenn Ihr Haus ungedämmt ist, mit alten Heizkörpern und 70 Grad Vorlauf arbeitet, dann ist die Wärmepumpe der zweite Schritt. Der erste ist die Gebäudehülle. Eine Wärmepumpe in einem solchen Haus läuft mit einer Jahresarbeitszahl um 2,5 – dann heizen Sie teurer als mit Gas.

Wir sagen Ihnen das vor Ort, bevor Sie unterschreiben. Zur Beratung geht es hier, offene Fragen beantworten wir auch in unseren häufigen Fragen.

Häufige Fragen

Wie groß muss die PV-Anlage für eine Wärmepumpe sein?

Als Orientierung: 2 bis 3 kWp zusätzlich zur Auslegung für den Haushaltsstrom. Wichtiger als die reine Größe ist eine Ausrichtung mit gutem Winterertrag – eine steilere Modulneigung um 45 Grad liefert im Winter spürbar mehr als eine flache Aufständerung.

Kann ich beides gleichzeitig fördern lassen?

Die Wärmepumpe fällt unter die KfW-Heizungsförderung, die Photovoltaik unter das EEG mit Einspeisevergütung und Mehrwertsteuerbefreiung. Beides läuft getrennt und schließt sich nicht aus.

Wird die Wärmepumpe im norddeutschen Winter zu laut?

Aktuelle Außeneinheiten liegen bei 50 bis 55 Dezibel in einem Meter Abstand, im Nachtbetrieb weniger. Entscheidend sind Aufstellort und Abstand zur Nachbargrenze – das planen wir mit, bevor gebohrt wird.

Was passiert bei Stromausfall?

Ohne Notstromfunktion steht die Wärmepumpe. Mit ersatzstromfähigem Speicher lässt sich ein Grundbetrieb halten, allerdings selten der volle Heizbetrieb – eine Wärmepumpe zieht beim Anlaufen viel Leistung. Das muss man vorher auslegen.

Passt eine Wärmepumpe zu Ihrem Haus?

Wir prüfen Vorlauftemperatur, Heizkörper und Förderfähigkeit – und sagen Ihnen auch, wenn es sich nicht lohnt.
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